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Freitag, 13. November 2015

NEPAL // Bhai Thika

 
Bhai Thika ist der letzte Tag des Tihar-Festivals. Hier treffen sich Brüder und Schwestern gemeinsam und vollziehen ein Ritual. Die Schestern zeichnen einen Kreis aus Öl um den Bruder, der auf dem Boden sitzt. Auch sein Kopf wird mit Öl beträufelt, er bekommt eine Kette aus Blumen die erst nach ein paar Monaten verwelken, dann trägt die Schwester dem Bruder eine Tika aus 7 Farben auf und er erweist ihr die gleiche Ehre. Es wird gemeinsam gegessen und es werden Geschenke ausgetauscht. Dieses Ritual soll den Bund zwischen Geschwistern stärken und an diesem spezifischen Tag an dem man diese Tika bekommt wird man unsterblich.


Nur ein einziges Kind bekam an diesem Tag Besuch von seinen Geschwistern. Die Benzinkriese und die oft tagelangen Entfernungen machen es unmöglich für die Familien anzureisen. Das schöne an diesem Fest ist, dass alle daran teilhaben können, auch die die keine Geschwister haben. Man geht zu entfernten Verwandten oder Freundinnen und Freunden und feiert gemeinsam. Es gab also auch ein Tika im Krankenhaus.


Montag, 14. September 2015

NEPAL // NALA II

Gestern bin ich um 9:00 Uhr aus dem Haus gegangen. Ich hatte vor von Banepa über Nala nach Nagarkot zu wandern. Von dort aus soll man wohl eine Wahnsinnsaussicht über das Himalayagebirge haben. Well, that didn't happen.

Erstens: meine Orientierung ohne gescheite Karte ist beschissen.
Zweitens: der Himmel war wolkenverhangen.
Drittens...

Nachdem ich auf der Strecke nach Nagarkot eine kurze Rast eingelegt habe, wollte ich weiter. Eine Frau und ein Mann gehen in die gleiche Richtung. Die Frau spricht mich an und wir sprechen mit Händen und Füßen, meinen drei Wörtern Nepali und ihren drei Wörtern Englisch über das Wetter und die Hitze.

Nach kurzer Zeit habe ich verstanden, dass es bis nach Nagarkot noch 2 Stunden dauert, dass das Haus der beiden auf der Strecke liegt, aber vom Erdbeben zerstört wurde und dass der Mann zwei Söhne hat die ein Stipendium haben und die besten an der Schule sind.

Wir laufen schweigend weiter und kommen dann zu ihrem Haus. Es liegt im Hang, ein Holzgerüst mit Plastikplane. Er zeigt mir wo das Haus einmal stand und was passiert ist.

Die Frau lädt mich zum Essen ein.

Ich zögere kurz, verfalle in Vorurteile. Und rudere ganz schnell zurück. Das einzige was passieren kann, ist das sie mich nach Geld fragen, was das normalste der Welt wäre. 
Ich nehme die Einladung dankend an.
 

Wir sitzen auf dem Lehmboden der Hütte und mir wird Wasser angeboten. Man treibt sogar einen Becher für mich auf.

In der Hütte sitzt noch die Großmutter und die Frau des Mannes. Sie fragt mich ob ich Tee trinke möchte. Ich bejahe und bin froh über die paar Wörter Nepali die ich kann. Ich schaffe es immerhin ihr zu erklären, dass ich 'khalo chia' möchte, Schwarzen Tee ohne Milch.


Der Bruder des Mannes und sein Sohn betreten die Hütte. Ich bin überrascht, der Bruder spricht Englisch. Wir unterhalten uns und er übersetzt für mich. 


Er erzählt mir, dass er fünf Jahre lang in Afghanistan als Koch für Soldaten gearbeitet hat. Er sei wiedergekommen, weil er die Angst, dass er seine Familie nie wiedersehen könnte nicht ausgehalten hat.

Seine Freunde aus Europa aus seiner Zeit im Krieg helfen den beiden Söhnen seines Bruders und finanzieren ihnen die Schule.

Während wir reden, wird das Essen vorbereitet. Wieder kramt man irgendwo einen Löffel für mich hervor und wir essen gemeinsam. Sie wollen mir mehr auftun, aber ich weiß jetzt schon nicht wie ich diesen ganzen Teller schaffen soll.

Nach dem Essen frage ich sie ob ich ein paar Fotos von ihnen schießen darf. Der Bruder gibt mir seine Mailadresse, damit ich sie ihm schicken kann.

Wir reden über dies und das.

Als ich aufbrechen will, frage ich den Bruder wie ich mich für das Essen und die Gastfreundschaft bedanken kann. Er übersetzt mir 'Vielen Dank für das Essen' ins Nepalesische. Ich schaue ihn an. Ich bedanke mich bei allen und wende mich noch einmal an den Bruder und frage ihn wie ich mich erkenntlich zeigen kann.

'You are our friend, our guest. No need for money.'

Ich schlucke meine Tränen runter.

Diese Menschen haben nicht viel, aber was sie haben, das teilen sie mit offenem Herzen.
Sie haben mich eingeladen um mit mir zu teilen, was zu teilen da war, als Gast, als Freundin, als Schwester.

Ich bedanke mich, wir schütteln uns die Hand und sie beten mich wiederzukommen. Dann vielleicht ein sogar paar Tage?

Ich mache mich wieder auf den Weg nach Banepa. Um nach Nagarkot zu laufen war es nun schon zu spät. 

Ich laufe den Weg nach Banepa entlang mit dem Bewusstsein, dass dieser Tag etwas ganz besonderes ist und es immer bleiben wird. 






Sonntag, 13. September 2015

NEPAL // NALA I

Eigentlich hatte ich geplant von Banepa aus nach Nala und dann weiter nach Nagarkot zu laufen. Von dort aus soll man wohl eine schöne Sicht auf das Himalayagebirge haben. Es lag aber nicht nur an den vielen Wolken, dass ich das Himalayagebirge noch immer nicht gesehen habe...

Orientierungsskills: 0 Nepaliroads: 1



Immer schön den Wasserbüffel einölen bevor er auf den Markt kommt.


Das Erdbeben hinterlässt überall seine Spuren.


Diese lustigen Pflanzen wachsen hier überall. Man riecht sie bevor man sie sieht.


Banepa am Horizont.


Donnerstag, 10. September 2015

NEPAL // BANEPA // IMPRESSIONS I




Seit knapp über einer Woche bin ich nun in Nepal und es ist... besonders. Der Kulturschock hat nicht lange auf sich warten lassen. Es gitb unzählige neue Sachen zu entdecken, Regeln zu lernen und die freundlichsten Menschen kennenzulernen die mir auf meinen bisherigen Reisen begegnet sind.

Vier Monate nach dem Erdbeben sieht man noch viel Leid und Schaden, doch die Menschen hier bauen wieder auf was aufzubauen ist, renovieren, stützen ihre Häuser ab und räumen bergeweise Holz und Ziegelsteine weg. Die Nepalis haben sich arrangiert, so wie sie es schon immer getan haben. Sie Leben im Kreislauf von Zerstörung und Wiederaufbau.

Nepal ist ein Land voller Farben und voller Menschen. Kathmandu ist... voller Autos ;) Alles was zwei oder mehr Räder besitzt ist auf der Straße unterwegs, hupen was das Zeug hällt und der Staub wirbelt einem in Mund und Nase. Eine Großstadt halt.
Sobald man sich aber ein paar Kilometer von Kathmandu entfernt wird es grün um einen herum. Die Reisterassen leuchten in saftigem grün und die Vögel zwitschern bis tief in die Nacht hinein. Eine Oase zwischen Bergen und Dschungel.

Meine erste Woche im HRDC war interessant, jedoch sehr kurz, da ich nach 3 Tagen schon krank im Bett lag. Momentan stehe ich hauptsächlich Tara, der Kindergartenlehrerin zur Seite, die aber momentan auch in der Schulklasse aushilft. Ihr Raum wurde durch das Erdbeben beschädigt und musste erst noch renoviert werden. Wir haben die Möbel jetzt wieder in den Raum verfrachtet und alle Materialien wieder verräumt. Ich habe bisher viel beobachtet da ich meinen Kompetenzbereich nicht überschreiten möchte und meinen Platz im Team erst noch finden muss. Ansonsten besteht mein Tag aus Lernspielen mit Zahlen oder Buchstaben, quatschen und der ein oder anderen Partie Uno. Nächste Woche möchte ich noch ein bisschen aktiver werden. Mal schauen was noch alles passiert.


Samstag, 5. September 2015

NEPAL // BANEPA // THE HOUSE I LIVE IN

Ich lebe hier in Banepa bei einer Familie die selbst im HRDC arbeitet. Sie besitzen ein vierstöckiges Haus zu dem ein kleiner Fußweg führt (Bild 1). In meinem Zimmer stehen zwei Betten ein Schreibtisch und KEIN Kleiderschrank. Die Nepalesen besitzen keine Kleiderschränke, die Klamotten werden auf dem Bett aufbewahrt. (Oh nein, das stellt natürlich für mich und meine Klamotten überhaupt kein Problem dar... haha).


Die Wäsche wird überall aufgehängt: über Hecken und Maispflanzen, im Gras und halt auf der Wäscheleine solange Platz ist (Bild 2). Die Schuhe werden vor dem Haus ausgezogen, von hier aus geht es mit Flip Flops weiter, die man jedoch auch vor jedem Zimmer auszieht.


Möchte man 'ne heiße Dusche nehmen dreht man einfach die Gasflasche auf. Meine Familie duscht aber eh kalt. Auch im Winter. Ich dreh allerdings jetzt schon jedesmal die Gasflasche auf und es ist noch Sommerzeit...


Ansonsten gibt es noch die Küche, einen kleinen Flur und ein Wohnzimmer mit einem Sofa in das man so tief einsinkt, dass man jedesmal Angst hat davon verschluckt zu werden.